Eine bunte Woche in Frankreich mit ersten Fotos eines EXCESS Katamarans

Im Frühjahr haben wir uns auf der boot Düsseldorf dem Thema „Fahrtenkatamarane – das unbekannte Fortbewegungsmittel“ genähert. Yachten verschiedener Hersteller haben wir dort besichtigt und schnell festgestellt, dass die Nautitech 40 Open für uns ein interessantes Schiff ist. Nautitech baut Katamarane mit zwei Steuerständen, an jedem Heck einen. Wir vermuteten, dass dies eher Segelspaß bringt, als bei den Modellen mit einem Steuerstand, quasi als „Hochsitz“. Außerdem erscheint es uns optisch gelungener und die Segeleigenschaften sind auch besser. Wir bekamen eine Einladung, die Nautitech Werft in Rochefort in der Nähe von La Rochelle am Tag der offenen Tür zu besichtigen und an einem Probeschlag mit professionellem Skipper teilzunehmen.

So buchten wir im Februar die Flüge, einen Mietwagen und ein kleines Appartement für eine Woche direkt an der Marina in La Rochelle. Seit dem Ingo und ich zusammen sind, haben wir noch nie eine gemeinsame Flugreise unternommen. Immer ging es mit einer „Amazone“ in den Urlaub. Sogar die Hochzeitsreise vor 30 Jahren unternahmen wir mit dem Boot und segelten mit der damaligen „Amazone“ erstmals nach Helgoland, Amrum, Hallig Hooge, Sylt und Spiekeroog.

Nun also eine Flugreise von Bremen nach La Rochelle mit Flughafenwechsel in Paris vom Flughafen Charles de Gaulle zum Flughafen Paris Orly. Dieser Wechsel stellte sich als ziemliche Herausforderung an unser Nervenkostüm heraus. Zuerst wurde die Landeerlaubnis erst mit Verspätung gegeben und dann ließ man uns nach der Landung in Paris Charles des Gaulle wegen überhitzter Bremsen nicht aus dem Flieger aussteigen. Stattdessen wurde die Maschine von mehreren Feuerwehrfahrzeugen mit Blaulicht umzingelt und wir mussten ausharren. Nach etwa 30 Minuten kam dann die ersehnte Entwarnung und der Flieger durfte endlich verlassen werden. Jetzt hieß es den flughafeninternen Bus-Shuttle zu finden und zum Busbahnsteig zu fahren, um die Linie 3 zum Flughafen Orly zu nehmen. Die Verzögerungen brachten uns in zeitliche Bedrängnis und letztlich erreichten wir den Anschlussflug in Paris Orly nur, weil der wiederum Verspätung hatte. Von da aus ging es auf die letzte Etappe weiter zum Flughafen La Rochelle. Die Flughäfen wurden kleiner, die Flugzeuge auch. Endlich in La Rochelle angekommen wurden wir schon von unserem Vermieter des Ferienappartements erwartet. Netterweise fuhr er uns die 15 Kilometer zur Wohnanlage, übergab uns die Schlüssel für das Appartement und den Zugang zum hauseigenen Schwimmbecken.

Wahnsinnig große, entsprechend wuselige und unübersichtliche Flughäfen, Verspätungen, technische Defekte und akribische Sicherheitskontrollen gehören zu einer Flugreise eben dazu. Da lobe ich mir doch die Reise mit dem eigenen Boot! Auch hier können zwar technische Defekte auftreten, große und unübersichtliche Häfen gibt es auch, aber das Durchwühlen von Gepäck kommt nicht vor und es gibt hier keine reiselustigen Menschenmassen. Eingesperrt und ausgeliefert habe ich mich an Bord noch nie gefühlt, aber in dem Flugzeug mit den heißen Bremsen schon. Außerdem gibt es an Bord der „Amazone“ richtige Portionen Kaffee und Kuchen und nicht diesen Mini-Portionen-Plastik-Wahnsinn. Kurzum – Flugreisen gehören nicht zu meinen Favoriten. Da sie ohnehin in Verruf geraten sind, sollen sie sich für mich auf ein absolutes Minimum beschränken.

Die Wohnanlage, zu der unser kleines Appartement gehörte, war entzückend. Jeden Morgen konnte ich mit dem ersten Kaffee in der Hand vom winzigen Balkon aus dem Hausmeister beim Reinigen des Freiluft-Swimmingpools zusehen. Morgens und am Vormittag genossen eher die älteren Bewohnerinnen und Bewohner das kühle Nass. Nachmittags und bis zum frühen Abend herrschte dann Freibadbetrieb mit Schwimmflügeln, Schwimmreifen, Reiterkämpfen und Geplantsche. Herrlich.

Blick von unserem kleinen Balkon zur Marina

Diese Katamarane haben wir besichtigt:

Wie erhofft, konnten wir bei verschiedenen ansässigen Maklern kurzfristig Termine vereinbaren und so Katamarane von Fountaine Pajot (Lucia 40, Helia 44 und Lipari 41) sowie Lagoon (40 und 380) besichtigen.

Fountaine Pajot Lucia 40 – nagelneu. Die Qualität und der Steuerstand haben nicht überzeugt

Unsere Aufnahmen eines EXCESS Katamarans am Ausrüstungssteg:

Leider war es nicht möglich, die Katamarane und die Werft der neuen Marke EXCESS der Groupe Beneteau zu besichtigen. (Von der Groupe Beneteau werden u. a. auch die LAGOON Katamarane gebaut.)

Die ersten Boote (Excess 12 und Excess 15) sind zwar fertig, aber Anfang August sollen sie erst mal den Händlern präsentiert werden. Später im September folgt dann auch die Präsentation für die breite Öffentlichkeit. Aber wir haben eine EXCESS am Ausrüstungssteg in Bordeaux erwischt. 🙂

Ein neuer EXCESS Katamaran. Gut zu erkennen durch den tief angeschlagenen Baum
Es wird fleißig an dem neuen Boot gearbeitet
Sehr interessant, das feste Bimini über dem Steuerstand war auf den veröffentlichten Zeichnungen noch nicht zu sehen

Tag der offenen Tür bei Nautitech

Neben Ausflügen nach Bordeaux und Les Sables d’Olonne waren die Werftbesichtigung und das anschließende Segeln mit dem 12 m Katamaran Nautitech 40 Open natürlich die Highlights der Woche.

Die Person in blau ist Antje – was für ein Brocken (gemeint ist die Nautitech 40)
Nautitech 40 Open von achtern

Dafür hatte sich die Anreise gelohnt! Während der etwa zweistündigen Besichtigung am Vormittag wurden wir in einer kleinen Gruppe zusammen mit einem anderen Paar durch die Fertigungshalle der 40 und 46 Open geführt. Es war beeindruckend, den Fertigungsprozess bis zum fertig ausgerüsteten Boot miterleben zu können. Die Atmosphäre, das Arbeitsklima, haben wir als ausgesprochen freundlich empfunden. Trotz hoher Außentemperaturen von etwa 35 Grad waren alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den verschiedenen Sektoren fleißig und gut gelaunt bei der Sache. Wobei uns aufgefallen ist, dass der Anteil der weiblichen Beschäftigten in den Werkshallen etwa bei 50 % lag. Gearbeitet wird im Schichtbetrieb. Freundlich wurden wir immer wieder gegrüßt und fühlten uns willkommen und nicht als Störfaktor beim Produktionsprozess. Fotografieren war in den Hallen leider nicht erlaubt, man lässt sich eben nicht so gerne in die Karten schauen. Die Konkurrenz schläft nicht.

Das englische Pärchen aus unserer Gruppe hatte ein Dauerlächeln im Gesicht – war eines der Boote doch genau ihr Schiff, das hier kurz vor seiner Fertigstellung war und in fünf Wochen ausgeliefert wird.

Hier entstehen die Nautitech Katmarane (Rochefort)

Am Nachmittag ging es dann mit dem smarten Skipper Paul, weiteren Mitarbeitern und Lieferanten mit einer nagelneuen 40 Open hinaus auf den Atlantik. Bei traumhaften Bedingungen von 4 bis 5 Windstärken und strahlendem Sonnenschein zeigte der Katamaran, was in ihm steckt. Mit mehr als neun Knoten zischten wir unter Gennaker und Großsegel über die ruhige See – leider geil! Es hatte aber auch gar nichts von einem behäbigen, schwimmenden Wohnwagen! Also war auch das letzte Argument, was eventuell gegen einen Katamaran gesprochen hätte, ausgeräumt. Beim Segelwechsel auf die Selbstwendefock konnte sich Ingo auch davon überzeugen, wie leicht sich der Katamaran durch den Wind steuern lässt. Das Anlegemanöver hat dann wieder Paul übernommen, wobei er zur Demonstration das Boot im Hafen problemlos nur mit den Rudern um 180° drehen und anlegen konnte. Die beiden Maschinen brauchte er dabei nicht gegensätzlich schalten, so wie es bei den Mitbewerbern Lagoon und Fontaine Pajot üblich ist. Dort haben die Propeller anstelle der Ruder die letzte Position am Unterwasserschiff und es lässt es sich besser mit beiden Maschinen im Hafen steuern. Aber wenn dann mal eine Maschine ausfällt, fährt man nur noch im Kreis.

Die Sonne strahlt – und Antje auch
Fachgespräche von Skipper zu Skipper

Der Rückflug war zum Glück nicht ganz so nervenaufreibend wie der Hinflug. Genug Zeit für den Flughafenwechsel in Paris und keine Pannen.

Wir haben diese ganz wunderbare Woche genossen und viel erlebt. La Rochelle hat uns sehr gut gefallen. Neben der größten Marina Europas mit 5.000 Booten gibt es tolle Strände, eine schöne Altstadt, freundliche, hilfsbereite Menschen und einfach ein gutes Lebensgefühl.

Was für ein Mastenwald in der Marina La Rochelle!
Katamaran huckepack unterwegs
Eine Nautitech 46 Open und eine FP haben sich mal trocken fallen lassen
Gemütliche Gasse in der Altstadt von La Rochelle
Großer, feiner Sandstrand an La Rochelles Promenade
Schöne Spaziergänge an der Küste bei La Rochelle